Kirche Brücken
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Autor des Berichts:
Markus Bauer
Die protestantische Gustav-Adolf-Kirche in Brücken/Pfalz
Versteckt hinter hohen Bäumen liegt auf einer sanften Anhöhe über der
Ohmbachtalaue die protestantische Kirche von Brücken. Sie wurde als erste von vier neuen protestantischen Kirchen im Kreis Kusel am 30. Mai 1954 durch den pfälzischen Kirchenpräsidenten Hans Stempel eingeweiht. Die Anfänge zu diesem
Kirchenbau reichen bis in die Kaiserzeit zurück. 1904 wurde von der protestantischen Gemeinde Brücken erstmals der Bau eines eigenen Bethauses angeregt. Ein Jahr später gründete sich ein Bethausverein, um finanzielle Mittel für den Bau zu sammeln. Der Erste Weltkrieg und die Inflation 1923 vernichteten alle Rücklagen des Vereins. In den 1920er Jahren begann die protestantische Gemeinde
wieder von vorne. Der Zweite Weltkrieg machte diesmal die angesparten Mittel zunichte. So startete man nach der Währungsreform den dritten Anlauf. Nach weniger als fünf Jahren konnte mit den Bauarbeiten zur Kirche begonnen werden. Zahlreiche Gemeindemitglieder leisteten im Steinbruch und beim Erdaushub
freiwillige Arbeitsstunden ab. Am 17. Mai 1953 wurde der Grundstein zur protestantischen Kirche gelegt. Die Grundsteinlegungsurkunde aus reinem Pergament wurde von Pfarrer Kraft aus Altenkirchen verlesen und anschließend in einer verzinkten Eisenbüchse in den Grundstein eingelassen.
Urkunde
Am siebzehnten des Monats Mai im Jahre eintausendneunhundertdreiundfünfzig nach der Geburt unseres Heilandes
Jesus Christus - als D. Otto Dibelius Vorsitzender des Rates der
Evang. Kirche in Deutschland war - als D. Hans Stempel in Speyer der Pfälzischen Landeskirche vorstand - als Friedrich Dauber
Dekan in Homburg und Otto Kraft Pfarrer in Altenkirchen war - als Professor Theodor Heuss Präsident der Bundesrepublik - Dr. Konrad Adenauer Bundeskanzler - Peter Altmeier Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz - Erwin Simon Landrat von Kusel - August Spies Bürgermeister von Brücken - Clemens Schmid und Klaus Meininger evangelische Lehrer daselbst waren - wurde der Grundstein für dieses Gotteshaus gelegt +
Architekt Günter Didion aus Lauterecken entwarf die
Pläne - Adrian Herrmann aus Quirnbach übernahm die Bauausführung +
Reger Opfersinn der Gemeinde - großzügige Hilfe durch die Landeskirche und dem Gustav-Adolf-Verein stellten die Mittel dar - um diese Kirche zu errichten.
Möge dem allmächtigen Gott der Dienst Seiner Knechte und Mägde wohlgefallen - der künftig an dieser Stätte vor sich gehen soll! Möge er uns helfen - daß wir selbst als lebendige Steine Ihm einverleibt werden und bleiben!
Gegeben zu Brücken am 17. Mai 1953.
Nach einjähriger Bauzeit konnte am 30. Mai 1954 die festliche Einweihung gefeiert werden. Ein großer Festzug zog vom Hof des protestantischen Schulhauses durch die festlich geschmückten Dorfstraßen zur neuen Kirche. Die Kirche erhielt den Namen “Gustav-Adolf-Kirche”. Vom
Gustav-Adolf-Werk
war der Kirchenbau wegen des Diasporacharakters der Gemeinde wesentlich gefördert worden. Nach der Festpredigt fand die erste Taufe in der Kirche durch den pfälzischen Kirchenpräsidenten statt. Der Bundespräsident Theodor Heuss hatte für die neue Kirche eine kostbare Bibel in Goldschnitt gestiftet, in die er eigenhändig die Worte schrieb: "Wer ist weise und klug unter euch, der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in
der Sanftmut und Weisheit." Am Tag der Kirchenweihe wurde das Schwesternhaus mit Jugendheim seiner Bestimmung übergeben. Damit hatte
der seit 1921 bestehende protestantische Krankenpflegeverein auch eine Wohnung für die Schwester, die bisher in einem Privathaus untergebracht war. Die aus Sandsteinen erbaute Kirche mit angebauter Küsterwohnung hat 150 Sitzplätze.
Nach der Fertigstellung des Glockenstuhles im Mai 1954 wurde die Glocke vom Turm des Schulhauses im 16 Meter hohen Turm der neuen
Kirche aufgehängt. Schon damals war beim Pfarrer, dem Presbyterium und der Gemeinde der Wunsch vorhanden, das schlichte Glöcklein durch ein Vollgeläut zu ersetzen. Am ersten Novembersonntag 1964 wurde das neue Geläute für die protestantische Kirche eingeweiht und in Dienst gestellt. Die drei Bronzeglocken tragen folgende Aufschrift:
Taufglocke: "Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen."
Betglocke: "Oh Land, Land, Land, höre des Herrn Wort."
Auferstehungsglocke: “Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."
Fachleute hatten vor dem Guss des neuen Geläutes die Tonlage der Glocken der katholischen St. Laurentiuskirche analysiert und danach die Glocken für die protestantische Kirche so konzipiert, dass bei einem gemeinsamen Geläute ein harmonischer Klangkörper entsteht. Die Glockengießerei Rincker, Sinn, hatte die Glocken gefertigt.
Die 1954 von den Gebrüdern Oberlinger, Windesheim, erbaute Orgel stammte vom Gustav-Adolf-Verein. Der Verein hatte die Orgel 1955 der protestantischen Kirchengemeinde für die Dauer von drei Jahren zur Verfügung gestellt. 1958 ging sie durch Kauf in das Eigentum der hiesigen Kirchengemeinde über.
Am 11. April 1956 wurde die bisherige Altenkircher Parochialgemeinde Brücken durch Beschluss der Kirchenregierung zur selbständigen
Kirchengemeinde erhoben, und zwar als Tochtergemeinde von Altenkirchen, die vom Altenkircher Pfarrer in Personalunion betreut wird.
Quelle:
Bauer, Markus; Zenglein, Dieter; Brücken in der Pfalz - “ Ein Dorf im Wandel der Zeit, 1996![]()